Für Betroffene

Wir sind für Sie da, wenn Sie

  • Versuchte oder vollendete Vergewaltigung
  • Sexuelle Belästigung
  • Bedrohung, Verfolgung und Nachstellung/Stalking
  • Psychische Gewalt oder Unterdrucksetzen durch Partner oder Expartner
  • Digitale Belästigung oder Gewalt
  • Sexuelle Belästigung oder Übergriffe am Arbeitsplatz, in der Universität, im Rahmen von Ausbildung oder Weiterbildung
  • Zwangsverheiratung

erleben, erleben mussten, Sie dies befürchten oder sich nicht sicher sind.

 

Es spielt keine Rolle, wie lange die Gewalterfahrung zurück liegt.

Im Schwerpunkt beraten wir erwachsene Betroffene. Bei drohender oder bereits vollzogener Zwangsverheiratung sowie sexueller Belästigung in Ausbildung/Schule beraten wir auch Jugendliche.

Wir beraten Frauen, Trans*Frauen, Trans*, Non-binaries mit und ohne Behinderungen, unabhängig von Herkunft und Glauben.

Unser Anliegen ist es alle Betroffenen im Umgang mit ihrer individuellen Gewalterfahrung zu unterstützen.

 

Häufige Fragen in der Beratung sind:

  • Was kann ich tun, damit es mir wieder besser geht?
  • Soll ich eine Anzeige stellen, wie geht das und was passiert dann?
  • Wo finde ich psychotherapeutische Unterstützung?
  • Sollte ich mich medizinisch versorgen lassen?
  • Wie kann ich mich schützen?
  • Wie kann ich mit Freunden/Angehörigen über das Erlebte sprechen?
  • Was soll ich tun?

 

Wir beraten Sie gerne:

Eine persönliche Beratung dauert in der Regel 60 Minuten. Es ist möglich mehrere Beratungsgespräche zu nutzen. Wir ermöglichen in der Regel zeitnah einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch.

Wir beraten auch mit Dolmetscherinnen für verschiedene Sprachen und Deutsche Gebärdensprache. Die Kosten für die Übersetzung übernehmen wir.

 

Auf Wunsch begleiten wir Ratsuchende auch

 

Ratsuchenden bieten wir auch Psychosoziale Prozessbegleitung.

 

Alle Beratungen und Unterstützungsangebote sind für Sie kostenlos und vertraulich. Auf Wunsch beraten wir Sie auch anonym.

 

Persönliche Beratungen finden statt

  • In der Beratungsstelle
  • In berollbaren Räumen (BiP)
  • oder auf Wunsch mobil bei Ratsuchenden vor Ort

Mehr Informationen dazu finden Sie unter: wo wir helfen.

 

Sie erreichen uns:

  • Persönlich telefonisch Montag 16:00 – 18:00 Uhr und Donnerstag 9:00 – 11:00 Uhr 06421-21438
  • Außerhalb dieser Zeiten sprechen Sie bitte auf den Anrufbeantworter. Dieser wird täglich abgehört und wir rufen schnellstmöglich zurück.
  • Persönlich und telefonisch in der offenen Beratungszeit im BIP Dienstag, 9.00 – 11:00 Uhr 06421-2011976
  • Digital per E-Mail an beratung(at)frauennotruf-marburg.de oder über das Kontaktformular.

Ich wurde vergewaltigt. Was tun?

Die Vergewaltigung ist innerhalb der letzten drei Tage (72h) passiert

 

  • Bleiben Sie nicht allein.
    • Sagen Sie einer Person Bescheid, der Sie vertrauen. Lassen Sie sich bei den nächsten Schritten begleiten.
  • Sie müssen die Vergewaltigung nicht anzeigen. Falls Sie Anzeige erstatten wollen, haben Sie dafür Zeit.
    • Es ist Ihre Entscheidung und es macht Sinn sich für diese Entscheidung Zeit zu lassen.
    • Wichtig: Niemand muss für Sie Anzeige erstatten. Ärzt_innen & Therapeut_innen dürfen sogar keine Anzeige ohne Ihr Einverständnis machen!
  • Was jetzt Priorität haben sollte: Lassen Sie sich medizinisch versorgen.
    • Wenn Sie im Raum Marburg-Biedenkopf sind, kontaktieren Sie die Frauenklinik des Universitätsklinikums. Hier können Sie direkt über den Westeingang in die Gynäkologie und werden ohne lange Wartezeit versorgt. Falls Sie in einer anderen Region sind rufen Sie im nächstgelegen Krankenhaus an und fragen Sie nach einer Akutversorgung nach Vergewaltigung. Eine Aufzählung spezialisierter Ambulanzen in Deutschland finden Sie hier.
    • Die Ärzt_innen vor Ort werden nicht die Polizei rufen, es sei denn Sie entscheiden das. Sie müssen keine Details erzählen. Die Ärzt_innen werden nur das fragen, was für die Untersuchung wichtig ist. Wenn Sie ihn griffbereit haben, packen Sie Ihren Impfpass ein.
    • Wie Sie zur Frauenklinik des Uniklinikum Marburg kommen und was vor Ort konkret passieren wird ist hier genauer beschrieben.
  • Wenn Sie wollen, können Sie in der Klinik eine vertrauliche Spurensicherung vornehmen lassen.
    • Die gesicherten Spuren werden vertraulich behandelt und werden ein Jahr in der Rechtsmedizin aufbewahrt.
    • Für die Spurensicherung ist es am besten, wenn Sie vor der Fahrt in die Klinik nicht duschen. Aber keine Sorge, auch wenn Sie sich bereits gewaschen haben, können noch Spuren vorhanden sein.
    • Nehmen Sie Kleidungsstücke oder andere Dinge mit in die Klinik, an denen sich ggf. noch Spuren der Tat befinden können.
    • Wenn Sie sich die Entscheidung Anzeige zu erstatten erstmal offen halten wollen, fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an. Das kann Ihnen im Falle einer Anzeige helfen sich zu erinnern.
  • Holen Sie sich weitere Unterstützung.
    • Wir sind eine Beratungsstelle, spezialisiert auf die Themen Vergewaltigung, Belästigung und Stalking. In der Beratung soll Raum für all Ihre Anliegen sein. Sie entscheiden, über was und wie oft wir sprechen. Themen der Beratung können sein:

"Ich weiß nicht, ob ich die Vergewaltigung anzeigen will. Was passiert dann?"

"Ich bin auf einmal unsicher, ob es überhaupt eine Vergewaltigung war."

"Ich habe das Gefühl, ich bin auch ein bisschen Schuld daran, dass es passiert ist."

"Ich will, dass einfach alles wieder so wird wie davor."

  • Sie können in der Klinik angeben, dass Sie von uns kontaktiert werden wollen. Wir melden uns dann so schnell wie möglich.
    • Wenn Sie lieber selber Kontakt mit uns aufnehmen wollen, können Sie uns hier eine verschlüsselte Mail schreiben oder Sie rufen uns an unter der 06421 21438. Das Telefon ist nicht durchgehend besetzt, sprechen Sie aber gern auf den AB. Er wird jeden Tag abgehört. Wir rufen dann zurück. (Hinweis: Wir rufen mit unterdrückter Nummer an.)
  • Unabhängig davon, ob Sie in eine Beratungsstelle gehen wollen, ist es wichtig über das Erlebte zu sprechen.
    • Wenden Sie sich an eine vertraute Person und probieren Sie aus, wie es ist mit jemandem darüber zu sprechen. Vielleicht wollen Sie alles, nur teilweise oder gar nichts davon erzählen, was passiert ist. Manchmal hilft es schon nur darüber zu sprechen, wie Sie sich gerade fühlen, was Ihre Sorgen und Ängste sind. Vielleicht hilft es auch einfach Zeit mit vertrauten Personen zu verbringen oder etwas anderes zu tun, was Ihnen gut tut.
    • Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt nicht die eine Art sich nach einem sexuellen Übergriff zu fühlen oder zu verhalten. Vielleicht fühlen Sie sich hilflos und ohnmächtig. Vielleicht sind Sie wütend. Vielleicht fühlen Sie auch momentan gar nichts und sind ganz ruhig und klar in Ihrem Denken. Vielleicht wollen Sie einfach nur im Bett liegen und nichts tun oder aber sind voller Energie. Alle Gefühle sind normal und gesund. Erlauben Sie sich alle diese Gefühle.
  • Sie entscheiden, wie Sie mit der Situation umgehen.
    • Ob Sie Anzeige erstatten wollen oder nicht. Ob Sie lieber nur wenigen ausgewählten Personen davon erzählen oder damit an die Öffentlichkeit gehen. Ob Sie den Täter konfrontieren möchten oder nie wieder etwas mit ihm zu tun haben möchten. Sie dürfen entscheiden, was Sie wollen und brauchen um wieder selbst die Kontrolle zu erlangen. Sie dürfen das auch von den Personen in Ihrem Umfeld einfordern.

Die Vergewaltigung liegt länger als drei Tage (72h) zurück.

 

  • Egal wie lange das Ereignis zurück liegt: Manchmal können Erinnerungen an schlimme Situationen unerwartet wieder auftauchen.
    • Manchmal ist es eine Erzählung einer anderen Person, das plötzliche Wiedersehen bestimmter Menschen oder eine Filmszene. Auslöser kann aber auch ein völlig davon losgelöstes Ereignis in Ihrem Leben sein oder aber einfach ein Geruch oder ein Gefühl.
    • Warum auch immer Sie mit der Erinnerung an die Vergewaltigung konfrontiert werden- es ist sinnvoll sich damit auseinanderzusetzen.
  • Auch wenn die Vergewaltigung schon länger zurückliegt, macht es Sinn sich medizinisch versorgen zu lassen.
    • Wichtig: Ärzt_innen unterliegen der Schweigepflicht. Sie dürfen keine Anzeige erstatten, wenn Sie von einer Vergewaltigung erfahren. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie Anzeige erstatten oder nicht.
    • Gehen Sie zu eine_r Gynäkolog_in, der Sie vertrauen. Erzählen Sie von der Vergewaltigung, erzählen Sie so ausführlich, wie Sie wollen. Erzählen Sie wie Sie sich fühlen und ob Sie Beschwerden haben.
    • Lassen Sie sich auf sexuell übertragbare Krankheiten, ggf. HIV und ggf. auf eine Schwangerschaft testen. Bringen Sie zum Termin Ihren Impfpass mit.
    • Ein Ärzt_innenbesuch ist auch für ein mögliches Gerichtsverfahren hilfreich, wenn dokumentiert ist, dass Sie da waren und was Sie erzählt haben.
  • Wenn länger als drei Tage vergangen sind, sind wahrscheinlich keine verwertbaren DNA-Spuren mehr zu finden.
    • Falls Sie aber noch sichtbare Spuren der Vergewaltigung oder Gegenstände haben, an denen möglicherweise Spuren zu finden sein könnten (z.B. ein Bettlaken, eine Unterhose, etc.), wenden Sie sich an die nächstgelegene Gerichtsmedizin. Hier können Spuren gesichert und mögliche Beweisgegenstände eingelagert werden. Falls Sie in Marburg- Biedenkopf sind ist die Gerichtsmedizin Gießen zuständig. Hier ist dieses Angebot kostenlos.
    • Falls Sie über eine Anzeige nachdenken, fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an. Das hilft, falls Sie eine Aussage bei der Polizei und ggf. später vor Gericht machen wollen.
  • Holen Sie sich weitere Unterstützung:
    • Wir sind eine Beratungsstelle, spezialisiert auf die Themen Vergewaltigung, Belästigung und Stalking. In der Beratung soll Raum für all Ihre Anliegen sein. Sie entscheiden, über was und wie oft wir sprechen. Themen der Beratung können sein:
"Es ist schon so lange her, ich verstehe nicht, warum ich auf einmal wieder an die Vergewaltigung denken muss. "
"Ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren und träume schlecht."
"Ich möchte gern eine Therapie machen, weiß aber nicht, an wen ich mich wenden kann."
"Ich habe Anzeige erstattet und weiß nicht was passieren wird."
 
  • Sie können mit uns Kontakt aufnehmen, indem Sie uns einfach unter der 06421 21438 anrufen.
    • Das Telefon ist nicht durchgehend besetzt, sprechen Sie aber gern auf den AB. Er wird jeden Tag abgehört. Wir rufen dann zurück. (Hinweis: Wir rufen mit unterdrückter Nummer an.) Sie können uns auch hier eine verschlüsselte Mail schreiben.
  • Unabhängig davon, ob Sie in eine Beratungsstelle gehen möchten- erzählen Sie einer vertrauten Person davon. Es ist wichtig über das Erlebte zu sprechen. Das Sprechen hilft in der Verarbeitung und kann gut sein in Zukunft nicht mehr unerwartet von Erinnerungen überrollt zu werden.
    • Sie können erzählen, was passiert ist. Sie können aber auch einfach nur darüber reden, wie es Ihnen mit dem Erlebten gerade geht oder was Ihnen momentan zu schaffen macht.
    • Wenn Sie einer Person von der Vergewaltigung erzählen, dann wählen Sie eine ruhige Atmosphäre und sprechen Sie davor ab, was Sie sich von der anderen Person wünschen. (z.B. Ich wünsche mir, dass du mir erstmal nur zuhörst und nicht deine Meinung oder Gefühle dazu äußerst.)
    • Begrenzen Sie das Gespräch über die Vergewaltigung und kommen Sie danach auf ein schönes Thema zurück. Besprechen Sie, ob und wie Sie in Zukunft von der Person darauf angesprochen werden wollen.
  • Sie entscheiden, wie Sie mit der Situation umgehen.
    • Es gibt nicht die eine Art sich nach einem sexuellen Übergriff zu fühlen oder zu verhalten. Vielleicht fühlen Sie sich hilflos und ohnmächtig. Vielleicht sind Sie wütend. Vielleicht fühlen Sie auch momentan gar nichts und sind ganz ruhig und klar in Ihrem Denken. Vielleicht wollen Sie einfach nur im Bett liegen und nichts tun oder aber sind voller Energie. Alle Gefühle sind normal und gesund. Erlauben Sie sich alle diese Gefühle.
    • Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihrem Körper und/ oder Ihrer Seele gut tun.
    • Ob Sie Anzeige erstatten wollen oder nicht. Ob Sie lieber nur wenigen ausgewählten Personen davon erzählen oder damit an die Öffentlichkeit gehen. Ob Sie den Täter konfrontieren möchten oder nie wieder etwas mit ihm zu tun haben möchten. Sie dürfen entscheiden, was Sie wollen und brauchen um wieder selbst die Kontrolle zu erlangen. Sie dürfen das auch von den Personen in Ihrem Umfeld einfordern.