Ich wurde vergewaltigt. Was tun?

Die Vergewaltigung liegt nicht länger als drei Tage (72h) zurück.

 

  • Bleiben Sie nicht allein.
    • Sagen Sie einer Person Bescheid, der Sie vertrauen. Lassen Sie sich bei den nächsten Schritten begleiten.
  • Sie müssen die Vergewaltigung nicht anzeigen. Falls Sie Anzeige erstatten wollen, haben Sie dafür Zeit.
    • Es ist Ihre Entscheidung und es macht Sinn sich für diese Entscheidung Zeit zu lassen.
    • Wichtig: Niemand muss für Sie Anzeige erstatten. Ärzt_innen & Therapeut_innen dürfen sogar keine Anzeige ohne Ihr Einverständnis machen!
  • Was jetzt Priorität haben sollte: Lassen Sie sich medizinisch versorgen.
    • Wenn Sie im Raum Marburg-Biedenkopf sind, kontaktieren Sie die Frauenklinik des Universitätsklinikums. Hier können Sie direkt über den Westeingang in die Gynäkologie und werden ohne lange Wartezeit versorgt. Falls Sie in einer anderen Region sind rufen Sie im nächstgelegen Krankenhaus an und fragen Sie nach einer Akutversorgung nach Vergewaltigung. Eine Aufzählung spezialisierter Ambulanzen in Deutschland finden Sie hier.
    • Die Ärzt_innen vor Ort werden nicht die Polizei rufen, es sei denn Sie entscheiden das. Sie müssen keine Details erzählen. Die Ärzt_innen werden nur das fragen, was für die Untersuchung wichtig ist. Wenn Sie ihn griffbereit haben packen Sie Ihren Impfpass ein.
    • Wie Sie zur Frauenklinik des Uniklinikum Marburg kommen und was vor Ort konkret passieren wird ist hier genauer beschrieben.
  • Wenn Sie wollen, können Sie in der Klinik eine vertrauliche Spurensicherung vornehmen lassen.
    • Die gesicherten Spuren werden vertraulich behandelt und werden ein Jahr in der Rechtsmedizin aufbewahrt.
    • Für die Spurensicherung ist es am besten, wenn Sie vor der Fahrt in die Klinik nicht duschen. Aber keine Sorge, auch wenn Sie sich bereits gewaschen haben, können noch Spuren vorhanden sein.
    • Nehmen Sie Kleidungsstücke oder andere Dinge mit in die Klinik, an denen sich ggf. noch Spuren der Tat befinden können.
    • Wenn Sie sich die Entscheidung Anzeige zu erstatten erstmal offen halten wollen, fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an. Das kann Ihnen im Falle einer Anzeige helfen sich zu erinnern.
  • Holen Sie sich weitere Unterstützung.
    • Wir sind eine Beratungsstelle, spezialisiert auf die Themen Vergewaltigung, Belästigung und Stalking. In der Beratung soll Raum für all Ihre Anliegen sein. Sie entscheiden, über was und wie oft wir sprechen. Themen der Beratung können sein:

"Ich weiß nicht, ob ich die Vergewaltigung anzeigen will. Was passiert dann?"

"Ich bin auf einmal unsicher, ob es überhaupt eine Vergewaltigung war."

"Ich habe das Gefühl, ich bin auch ein bisschen Schuld daran, dass es passiert ist."

"Ich will, dass einfach alles wieder so wird wie davor."

  • Sie können in der Klinik angeben, dass Sie von uns kontaktiert werden wollen. Wir melden uns dann so schnell wie möglich.
    • Wenn Sie lieber selber Kontakt mit uns aufnehmen wollen, können Sie uns hier eine verschlüsselte Mail schreiben oder Sie rufen uns an unter der 06421 21438. Das Telefon ist nicht durchgehend besetzt, sprechen Sie aber gern auf den AB. Er wird jeden Tag abgehört. Wir rufen dann zurück. (Hinweis: Wir rufen mit unterdrückter Nummer an.)
  • Unabhängig davon, ob Sie in eine Beratungsstelle gehen wollen, ist es wichtig über das Erlebte zu sprechen.
    • Wenden Sie sich an eine vertraute Person und probieren Sie aus, wie es ist mit jemandem darüber zu sprechen. Vielleicht wollen Sie alles, nur teilweise oder gar nichts davon erzählen, was passiert ist. Manchmal hilft es schon nur darüber zu sprechen, wie Sie sich gerade fühlen, was Ihre Sorgen und Ängste sind. Vielleicht hilft es auch einfach Zeit mit vertrauten Personen zu verbringen oder etwas anderes zu tun, was Ihnen gut tut.
    • Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt nicht die eine Art sich nach einem sexuellen Übergriff zu fühlen oder zu verhalten. Vielleicht fühlen Sie sich hilflos und ohnmächtig. Vielleicht sind Sie wütend. Vielleicht fühlen Sie auch momentan gar nichts und sind ganz ruhig und klar in Ihrem Denken. Vielleicht wollen Sie einfach nur im Bett liegen und nichts tun oder aber sind voller Energie. Alle Gefühle sind normal und gesund. Erlauben Sie sich alle diese Gefühle.
  • Sie entscheiden, wie Sie mit der Situation umgehen.
    • Ob Sie Anzeige erstatten wollen oder nicht. Ob Sie lieber nur wenigen ausgewählten Personen davon erzählen oder damit an die Öffentlichkeit gehen. Ob Sie den Täter konfrontieren möchten oder nie wieder etwas mit ihm zu tun haben möchten. Sie dürfen entscheiden, was Sie wollen und brauchen um wieder selbst die Kontrolle zu erlangen. Sie dürfen das auch von den Personen in Ihrem Umfeld einfordern.

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