Beratung für mich! Beratung vor Ort!

In dem dreijährigen Projekt „Beratung für mich! Beratung vor Ort! Pro-Aktive Beratung für Frauen und Mädchen mit Behinderungen" hat der Frauennotruf Marburg Beratungsmöglichkeiten für Frauen mit Behinderungen weiterentwickelt und die Zugänglichkeit zu Beratung bei sexualisierter Gewalt entscheidend verbessert.

Frauen mit Behinderungen haben unterschiedliche Hürden in ihrem Alltag zu bewältigen und müssen sich häufig die Frage stellen, ob z.B. eine Veranstaltung oder eben auch eine Beratungsstelle erreichbar für sie sind. Neben der Tatsache, dass sich die Beratungsstelle im 2. Stock befindet und ausschließlich über einen Treppenaufgang zu erreichen ist, gibt es noch weitere Hemmnisse, die es Frauen mit Behinderungen schwierig macht nach einer Beratungsmöglichkeit zu fragen. Da ist zum Beispiel die Frage, ob sich die Beraterin mit der Behinderungsform der Ratsuchenden auskennt oder auch wie eine Ratsuchende mit der Beratungsstelle Kontakt aufnehmen kann, wenn sie selbst nicht die Möglichkeit hat zu telefonieren.

Zusammen mit Frauen mit Behinderungen wurde erfragt, was es braucht, um eine Beratung in Anspruch nehmen zu wollen und zu können:

1. Frauen mit kognitiven Einschränkungen wurden anhand eines Interviewleitfadens in leichter Sprache befragt, welches       Beratungsangebot für sie passend wäre.

2. Für Frauen mit Sinnes- und Körperbehinderungen wurden die Anforderungen an ein passendes Beratungsangebot mithilfe einer Online-Befragung ermittelt.

3. Ein weiterer Fragebogen wurde in einer Reha-Einrichtung für Frauen mit psychischen
Behinderungen/Erkrankungen vorgestellt und verteilt, um auch hier die Anforderungen an spezifische Beratungskonzepte analysieren zu können.

Von diesen Ergebnissen ausgehend sind neue Beratungskonzepte entstanden.
Wöchentlich für 2 Stunden wird eine offene Sprechstunde in barrierefreien Räumen im integrierten Pflegestützpunkt (BiP) angeboten. Diese Sprechstunde ist niedrigschwellig (ohne vorherige Terminvereinbarung) nutzbar.
Ein weiteres Konzept der pro-aktiven Beratung wurde umgesetzt: die aufsuchende, mobile Beratung der Ratsuchenden an einem selbstgewählten Ort. Die Mobile Beratung kann Zuhause, an der Arbeit, in der Klinik oder jedem anderen selbstgewählten Ort der Ratsuchenden stattfinden.
Eine zusätzliche Form der Mobilen Beratung, die verstärkt einen Pro-Aktiven Ansatz verfolgt, richtet sich speziell an Frauen mit kognitiven Einschränkungen. Mittels Workshops zu den Themen „Körper“, „Streit“ und „Zusammenhalt“ werden an das Thema „Gewalt gegen Frauen“ angrenzende inhaltliche Aspekte in den Blick genommen, die Beraterinnen können kennengelernt werden und ein Sprechen über eigene Gewalterfahrung wird motiviert. Im Anschluss an den inhaltlichen Teil gibt es die Möglichkeit Beratungsgespräche, entweder in der Gruppe oder einzeln, in Anspruch zu nehmen.

In einer vom Frauennotruf entwickelten und durchgeführten Schulung für gehörlose Peer-Beraterinnen und Gebärdensprachdolmetscherinnen zum Umgang bei erlebter Gewalt ging es darum, Unterstützerinnen von Gehörlosen Frauen als Peer-Beraterinnen und erste Kontaktstelle zu qualifizieren.

Über den Frauennotruf Marburg gibt es seit dem Projekt auch die Möglichkeit eine Online-Chat-Beratung in Anspruch zu nehmen. Über Beranet – Link- können Frauen, insbesondere auch gehörlose Frauen, Beratung zu den Themen sexualisierte Gewalt bekommen.
Ziel ist es nach Abschluss des Projektes die entwickelten Beratungskonzepte zu implementieren und somit Standards für die Beratung mit Frauen und Mädchen mit Behinderungen zu setzen.